Kopf im Busch

Buschgeflüster, Beinahe-Katastrophen & unnützes Wissen

Mein Büro hat Frösche

So, nun sitze ich endlich wieder hier.

Im Busch.

Mit einem semi-geilen Instant-Kaffee in der Hand, aber mit Blick über eine neblige Lagune.

Und da ist er wieder, dieser Moment …

Ahhh. Das Leben ist einfach gut.

Die, die mich gut kennen, fragen sich jetzt wahrscheinlich, wo denn die Bialetti ist und der gute, geile zambische Kaffee.

Na ja, ich will ja keinen Namen nennen, aber ein echt toller Mensch (dort, wo der herkommt, tragen Menschen Socken in Sandalen) hat meine geliebte Bialetti ohne Wasser auf die Herdplatte gestellt.

Dubu. Aber mein Dubu. Also guter Dubu.

Ich meine, ich bin ja die Letzte, die so etwas tollpatschiges jemandem übel nehmen würde. Aber dass er sie bis heute noch nicht ersetzt hat, tut schon ein bisschen weh an diesem ach so perfekten Morgen.

Ich sitze nun hier und realisiere, dass die kommenden sechs Monate das Hier mein Zuhause ist. Sechs Monate voller Elefantenärsche, Frösche und semi-geilem Kaffee.

(Sorry, ich versuche nur auf sehr subtile Art, jemanden dazu zu bewegen, mir meine Bialetti zu ersetzen. Der Kaffee ist eigentlich sehr gut.)

Endlich lebe ich wider in einem Zelt.

Wo mich meines Glaubens nach ein Plastiksack vor Schlangen schützt. Weil Loch im Zelt.

Ich bin wieder in diesem Leben angekommen, in dem ich meine Seife mit Mäusen teile, die erstaunlich gerne daran knabbern.

Endlich wieder mit zusammengekniffenen Arschbacken allein im Dunkeln zum Zelt laufen und nicht mehr die größte Sorge haben, dass das Schlimmste, was mir passieren kann, ist es, mir den kleinen Zeh gottlos am Bettpfosten anzuschlagen.

Geil ist auch, dass mein Schnarchen nicht mehr das lauteste Geräusch im Busch ist. Danke an die vielen Hippos: Ihr lachenden Furzkanonen.

Ach, es ist doch einfach wieder herrlich hier draussen.

Und wisst ihr, was das Beste ist?

Keine Duschkabinen mehr.

Kein würdeloses „in die Hocke gehen und jeden einzelnen Tropfen von der Glaswand ziehen“-Szenario.

Ich verstehe nicht, warum für so viele Menschen Kalk offenbar der Teufel höchstpersönlich ist. Und wehe, man zieht nach zehnmal Duschen einmal nicht alles perfekt trocken.

Dann flattern die Kommentare direkt um die Ohren.

Item.

Ich habe mich gerade etwas zu sehr in Rage geredet.

Aber ich mag es wirklich nicht.

Punkt.

Gehen wir zurück zu dem, wofür ich dankbar bin:

Dornen in den Fingern, weil man (hallo ADHS) einfach alles anfassen muss.

Schwarze Nasenpopel vom Staub.

Und jeden Abend wieder ein Sonnenuntergang, der aussieht, als hätte jemand den Himmel extra für mich angemalt.

Einfach meine Definition von Zuhause.

Vom wilden Zuhause.

Das „mehr als zwei Daumen aus dem Arsch ziehen“-Projekt hat sich gelohnt.

Schon der Name dieser Safari-Bude macht einen stolz, dort arbeiten zu dürfen. Mein Start war bereits vor meiner Ankunft geprägt von Vorfreude und unglaublich viel Herzlichkeit.

Dieses Camp und die anderen Camps, die dazugehören, bieten einfach Wildnis pur.

Es ist, als hätte jemand Natur und Komfort perfekt kombiniert, ohne dabei die Umwelt zu vergessen.

Jeder hier bringt den Gästen das magische Afrika näher ohne es beweisen zu müssen.

Man ist einfach da und versteht es.

Man versteht, wie wichtig es ist, Sorge zu diesem Ort zu tragen.

Und wie privilegiert man eigentlich ist, das alles erleben zu dürfen.

(Ja. Ihr müsst das einfach selbst erleben.)

Die Guides hier schaffen es jedes Mal, neben tollen Tiersichtungen auch noch die Köpfe der Gäste komplett wegzublasen.

Wie ich schon gesagt habe:

Guiding-Level: lebensverändernd.

Kommen wir aber wieder zurück auf den Boden verschiedenster Charaktere.

Mein Start begann mit zwei Gästen vom anderen Ende des Teichs.

Sehr nette Leute. Easy going. Keine hohen Ansprüche.

Also dachte ich…

Die beiden waren gefühlt mit 50 bereits pensioniert und wunderbar „gschnigglet und gschnagglet“ durchs Leben.

Gäste eben, die sich diesen Standard-Service und diese Art von Reisen gönnen.

Zu Recht auch.

Das Hosting dieser zwei Perlen war einfach.

Sie waren mit allem zufrieden und hatten das Camp sogar zwei Tage komplett für sich alleine.

Einen Haken gab es allerdings.

Das Camp davor (keines von unseren) hatte vergessen, die sauteure Kameratasche einzupacken, als die beiden ihren Inlandflug zu uns machten.

Nicht unser Fehler.

Aber jetzt unser Problem.

Die Camp Managerin ist wie alle Menschen in solchen Positionen ein echter Tintenfisch:

Neun Hirne.

Acht Arme.

Und irgendwie viel mehr Herz, als biologisch vorgesehen wäre.

Sie schaffte es im true Zambian Style, dass diese Kameratasche zwei Tage quer durch Zambia reist, mehrfach umgeladen wird, irgendwo herumliegt und schliesslich tatsächlich bei uns landet. Ohne Schaden, ohne Verlust und ohne Mehrkosten.

Der Mann ohne Kamera tat mir mega leid.

Er ist auf einer vielleicht Once-in-a-Lifetime-Safari und das ohne Kamera.

Und jedes Mal, wenn er davon sprach, hörte man förmlich sein Herz brechen.

Also habe ich ihm meine ausgeliehen.

Meine Freunde mit Kameras schlagen sich jetzt vermutlich kollektiv mit der flachen Hand gegen die Stirn.

Ich weiss. Maybe a bit too much people pleasing.

Aber er war glücklich. Machte tolle Fotos. Alle waren happy.

Und die Freude war riesig, als die Kameratasche schliesslich tatsächlich ankam.

ENDE!

Nein, nicht ganz.

Jeder Gast füllt in seiner letzten Nacht ein Feedback-Formular aus.

Ihr Feedback?

„Nicht viel Zeit alleine am Feuer (wegen Elefant im Camp).“

Ahhh. Excuse us.

Ich werde dem nächsten Elefantenrat gerne mitteilen, dass Campbesuche zu den Feuerzeiten künftig zu unterlassen sind.

Und der zweite Kommentar?

„Eine Mücke im Zimmer.“

FFS.

(You know … if you know.)

Ich habe diese Abkürzung wirklich vermisst.

Was ist mit der Kamera?

Mit diesem weltgeilen Service?

Mit dem Überraschungs-Boat-Lunch?

Mit den gefühlt zehn Fröschen, die ich auf dem Boot gerettet habe?

Okay, das mit den Fröschen können sie ja nicht wissen. Sorry.

Und eigentlich wollte ich nur erwähnen, dass ich wieder überall Frösche sehe.

Viel Liebe für Frösche.

Die würden mir zumindest keine Bialetti zerstören. (räusper)

Und dann waren da noch zwei:

Lovebirds.

Eine echte Herzensgeschichte.

Zwei 80-Jährige auf ihrer, wie sie selbst sagen, letzten Safari.

Sie halb blind, vor allem nachts.

Er mit Erinnerungen an Zambia, die bis ins Jahr 1965 zurückreichen.

Er hat hier gearbeitet, gelebt, unterrichtet und Geschichten gesammelt.

Und nun noch einmal zurück.

Eine letzte Safari.

Weil sie beide sagen, dass die körperliche Verfassung wohl keine weitere mehr zulassen wird.

Und die Romantik zwischen den beiden?

Herzzerreissend.

Da können wir uns alle eine grosse Scheibe abschneiden.

Er sitzt im Auto und freut sich über Löwen, die einfach nur herumliegen.

(Ja Lars. Löwen. Die haben Löwen beim Nichtstun beobachtet, sorry)

Und weil sie nachts kaum noch etwas sieht, hat sie sich einfach riesig für ihn gefreut.

Die beiden waren zufrieden.

Dankbar.

Einfach glücklich, diese Reise gemeinsam machen zu können.

Und ich?

Fünf vor Tränen.

Wegen ihrer Art.

Wegen ihrer Dankbarkeit.

Wegen ihrer Zufriedenheit.

Die Abendessen mit ihnen waren voller Geschichten, Lebensweisheiten und trockenem Humor.

Am Abreisetag wurde umarmt.

Und einmal mehr wurde mir bewusst:

Es ist faszinierend, was Zambia in Menschen auslöst.

Aber noch faszinierender ist, was Menschen in mir auslösen.

Da sieht man es:

Die Geschichten werden mir hier definitiv nicht ausgehen.


Meine Geschichten sind für Alle.

Falls du trotzdem etwas dalassen möchtest: Ich freue mich über einen freiwilligen Beitrag. Die Chancen stehen gut, dass ich mir davon eine neue Bialetti kaufen muss.

Hinterlasse einen Kommentar