Löwen. Alle Gäste wollen Löwen sehen. Und ich bin fasziniert davon. Ja, auch von den Löwen, aber mehr davon, warum wir Menschen so süchtig nach ihnen auf Safari sind. Es ist ja nicht so, dass es nicht noch abartig viel anderes zu entdecken gäbe im Busch: so viele Tiere von klein bis gross, die genauso imposant sind, fantastische Überlebensstrategien haben, bemerkenswerte Verhalten aufweisen oder eben meisterhaft darin sind, so zu tun als würden sie rein gar nichts tun.
Aber wie hat eigentlich alles angefangen?
Mit einem sehr, sehr guten Freund von mir. Wir kennen uns aus der Schule. Oder eigentlich noch früher, weil wir mal im selben Quartier wohnten. An diese Zeit erinnere ich mich kaum, nur noch an seine Schwester, die ich doof fand & die ich heute überhaupt nicht mehr doof finde, sondern sehr toll.
Kindergehirne eben…
Kommen wir zurück zu meinem Kumpel und nennen wir ihn einfach mal Lars.
Lars hat zwar mehr Gemeinsamkeiten mit einer Giraffe als mit einem Löwen.
Wusstet ihr, dass Giraffen das grösste und schwerste Herz unter allen landlebenden Säugetieren haben? So auch Lars! Das Herz der Giraffe muss so kräftig sein, um das Blut durch den ganzen langen Hals bis ins Gehirn zu pumpen.
In meinen Augen sind Giraffen die Hippies unter den Tieren: sozial, immer in Gruppen unterwegs, aber wechseln auch gerne mal die Gruppenpartner. So im Sinne: Jeder kann es mit jedem, jeder kommt und geht wie er will, jeder auf seinem eigenen Trip.
Lars ist da etwas anders. Mehr der Bünzli, strukturiert, stabil, organisiert. Aber darum geht es heute nicht. Lars ist einfach ein fantastischer Freund – und seine Frau, ebenfalls wie eine Giraffe: gross, lang und mit einem ebenso riesigen Herzen.
Warum Lars in mir diese Faszination über die Menschenfaszination für Löwen geweckt hat?
Als ich im ersten Jahr hier im Zambia-Busch arbeitete, kamen Lars und seine Frau zu Besuch. Es war ihre erste Reise nach Afrika unterhalb des Äquators. Lars war, wie viele, vorher nur All-Inclusive in Ägypten unterwegs gewesen.
Ich freute mich riesig, sie zu sehen und später die ganze Rundreise durch Sambia mit ihnen zu machen.
In den Nächten, in denen sie bei uns im Camp waren, sahen wir leider keine Löwen auf dem Game Drive. Lars rieb mir das natürlich unter die Nase. Bis heute.
Ja, so ist unsere Freundschaft und ich liebe es.
Unser Roadtrip in Zambia hat aber erst begonnen!
Wir fuhren vom Kafue NP nach Livingstone, besuchten die Victoriafälle, den Lower Zambezi und den South Luangwa Nationalpark. Lars immer auf Löwensuche – oder auf der Suche nach einem frechen Spruch gegen mich.
Und dann passierte es endlich: der perfekte Moment, den jeder Guide liebt. Wir sind nun im Lower Zambezi Nationalpark. Ich halte an, weil ich frische Löwenspuren sehe – grosse Pfoten, noch ganz frisch. Ich springe zurück ins Auto, teile den beiden mit, dass dies Löwenspuren sind und dass wir diesen nun folgen werden. Lars, der überhaupt nicht an meine Fähigkeiten glaubt, winkt bereits ab… Ich fahre weiter und nach nur wenigen Kurven, keine paar hundert Meter später, läuft er da: ein majestätischer Löwe mitten auf der Strasse. Ein grosser Löwenboss mit dunkler Mähne, völlig entspannt, easy im Gang, selbstsicher, schaut nicht einmal zurück.
Magisch.
Wir verfolgen ihn ein Stück, bis er rechts abbiegt, kurz zu uns schaut und langsam im Sonnenuntergang verschwindet.
Ich war aus dem Häuschen. Endlich, ein Löwe für Lars! Und dann sagt der Idiot (liebevoll gemeint):
„Schade, dass er nicht einfach nur rumliegt, ich würde gerne Löwen beim Liegen sehen.“
Mir bleibt der Keks im Hals stecken. Wie oft sehen Leute die Löwen wirklich nur faul rumliegen, statt in Aktion?
Ist es das, was mit uns Menschen nicht stimmt? Dass wir immer das wollen, was wir nicht haben können?
Ich glaube schon. Der Spruch vom Füfi & Weggli kennen wir ja zu gut.
Der Rest der Reise war unglaublich: Kanu auf dem Zambezi, wild campen & wild scheissen, Bootstouren, Self-Drives, Leoparden mit Jungtieren, Hyänen hautnah, Honigdachs auf der Pirsch, gähnende Hippos, lange Giraffen und Elefanten überall. Jeder Park einzigartig, Landschaften atemberaubend, Sonnenauf- und -untergänge kitschig schön. Einfach perfekt.
By the way, liebe Leser: meldet euch, wenn ihr endlich mal nach Sambia reisen wollt!
Wir waren ein grossartiges Team: kochen, Zelte aufstellen und zusammenpacken (praktisch, wenn man mit zwei Giraffen reist) Kaffee bei Sonnenaufgang und Bier bei Sonnenuntergang.
Zwei Dachzelte – genug Platz. Also für mich, ich weiss nicht, wie die zwei Giraffen sich im Zelt organisiert haben. Ich lag in meinem wie ein Seestern.
Wir lachten, kreierten Insider, neckten uns über so ziemlich alles. Daraus entstand auch der Tipp mit immer genügend frischer Unterwäsche.
Einfach perfekte Abenteuerferien. Wo nicht alles nach Plan läuft und es dadurch besser macht!
Natürlich sahen wir auch Löwen beim Liegen, weit weg und kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Für Lars natürlich perfektes Futter für seine Sprüche.
Und trotzdem: Seit dieser Löwenthematik mit Lars fällt mir immer mehr auf, dass jeder Gast immer Löwen sehen will und jeder seine eigene Vorstellung davon hat, wie die perfekte Löwenbeobachtung aussehen soll.
Lion King hat uns alle gebrainwashed. Deshalb lieben wir Löwen, finden Hyänen doof (was mich ein biz hässig macht) und stellen uns vor, dass der Vogel den Löwen ständig die neuesten Gossip-News erzählt, während Erdmännchen und Warzenschweine die besten Kumpel sind.
Jeder denkt, Löwen leben entspannt und sie schlafen 23 von 24 Stunden. Wie Italiener, die das dolce far niente perfektioniert haben. Aber ihr Leben ist kein Zuckerschlecken. Neben dem Menschen ist ihre grösste Bedrohung die eigene Art. Löwen sind soziale Tiere, aber ihr Rudelleben ist hart: Revierkämpfe, Konkurrenz um Nahrung und um den Rang. Jeder Tag ein Balanceakt zwischen Macht, Überleben und Zusammenhalt. Die grossen Männchen patrouillieren majestätisch, doch jeder kleine Fehler kann die Hackordnung verändern. Sie sind elegant, kraftvoll und gleichzeitig unglaublich strategisch. Wahre Könige im Überlebensspiel. Und trotzdem liegen sie oft stundenlang faul in der Sonne und verdauen ihr Essen. Dürfen sie auch! Ein Leben voller Spannung und Ruhe zugleich und genau das macht sie so faszinierend.
Löwen sind mächtig, wunderschön und verdienen den Titel „König“. Ihr Leben ist aufregend, anstrengend, faszinierend und ich bin immer wieder hin & weg, wenn wir ihnen im Busch begegnen.
Und so sitze ich hier, tippe diese Zeilen und grinse. Löwen, Giraffen-Freunde, verrückte Roadtrips. All das erinnert mich daran, warum ich jeden Tag in Sambia liebe. Das wilde Afrika hautnah erleben, Menschen und Tiere beobachten, lachen, improvisieren und sich abends über ein kaltes Bier freuen.
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