Ach, ich dachte ja, mein erster Blogeintrag wird mir leicht von der Hand gehen.
Spoiler: Tut er nicht.
Aber vielleicht ist das genau richtig so – ein bisschen Kopfzerbrechen, ein bisschen Widerstand, das macht’s doch erst spannend.
Also los. Kein langes Ladidadi: ich bin zurück im Busch. Und irgendwie drängt es mich, zu schreiben.
Schon jetzt. Nach nur ein paar Tagen.
ich bin in Sambia!
An diesem Ort, wo man zuerst den Schlafsack ausschüttelt, bevor man hineinkriecht – sicher ist sicher. Schliesslich könnten da achtbeinige Mitbewohner campieren. Oder noch schlimmer: irgendwas ohne Beine.
Ich bin an dem Ort, wo ich nachts abwäge: Wie weit die Löwen gemäss ihrem Gebrüll entfernt sind, verglichen damit, wie voll meine Blase wirklich ist!
Wo der Tag beginnt mit Mütze, Stirnlampe und Fleecejacke – und zwei Stunden später laufe ich in Shorts und T-Shirt durch den Sand.
Der Busch ist seltsam konsequent inkonsequent.
Er zwingt mich, aufmerksam zu sein.
Wach. Da zu sein.
aber ja auch frustrierende Situation zu akzeptieren – also mich auszuhalten.
Ein Lilac-breasted Roller, perfekt auf einem Ast, Licht top, Hintergrund top – ich will abdrücken, aber… kein Akku in der Kamera. Natürlich nicht. Typisch Ich!
Dann eben durch den Feldstecher. Und weisst du was?
Reicht auch.
Hier wird jeder Fehler zur Geschichte.
Jeder Umstand zum Abenteuer.
Wie der tägliche Gang zur falschen Autotür – weil Linksverkehr und Gewohnheit einfach nicht matchen.
Oder das panische Wühlen nach der Taschenlampe, weil irgendwas am Zelt raschelt – und mein Hirn Pingpong spielt zwischen:
„War bestimmt nur der Wind“ und „Könnte ein Leopard sein.“
Klingt alles sehr romantisch?
Ist es auch.
Ich liebe das.
Diese kleinen Umstände, die mich daran erinnern, wo ich bin.
Dass ich nicht einfach durchrausche, sondern stehenbleibe.
Hinhöre. Hinschaue. Mich wundere. Mich ärgere. Mich freue.
Und manchmal, wenn ich einfach nur dasitze, mit einem Kaffee in der Hand und Staub in den Haaren und ich mich daran erinnere was mich viele fragen:
Warum gehst du eigentlich immer wieder zurück in den Busch?
Tja.
Vielleicht genau deswegen.
DAS LEBEN. IM MOMENT.
Der Busch zwingt mich, hier zu sein. Jetzt.
Keine Ablenkung. Kein Scrollen. Kein Schnickschnack.
Nur ich, meine Kamera (mit oder ohne Akku), der Staub, die Sonne, die Tiere –
und dieses rohe, wilde, unperfekte Leben,
das mich jeden Tag daran erinnert,
wie wenig man braucht, um ganz da zu sein.
Und jetzt bin ich hier:
Im besten office der welt!
Und was ist meine Aufgabe hier eigentlich?
Also, rein technisch gesehen: Camp Managerin – oder offiziell Operational Manager.
Hört sich wichtig an. Ist es manchmal auch. Meistens aber ist es eine wilde Mischung aus:
Yes Madam, Mediatorin, Bush-MacGyverin, Alltagspsychologin, Animateurin, Handwerkerin, Kummerkasten, Einkäuferin, Reiseorganisatorin, Lebensretterin, Klopapier-Finderin, Kaffeeheldin – und ab und zu Löwenspotterin.
Und wo bin ich?
Direkt am wunderschönen Kafue River, mitten im wilden – sehr wilden – Kafue Nationalpark in Sambia. Mein Arbeitsplatz teilt sich in zwei Bereiche:
Auf der einen Seite steht unser kleines, feines Bushcamp. Und ja, es ist kein Lodge-Luxus mit Marmorboden und Infinity Pool. Viel besser, es hat einen Natur Pool!
Technisch gesehen heisst „Lodge“, dass die Gebäude erhöht auf Plattformen stehen – also: fancy.
Wir sind mehr: ehrlich, naturverbunden, bodenständig – mit Stil. Zwei liebevoll gebaute Chalets direkt am Fluss, mit Outdoor-Dusche, Flusspanorama und jeder Menge Komfort. Weitere Chalets sind im Bau, denn das Camp wächst – gut fürs Business, aber auch Teil der Auflagen des Parks.
Dann gibt’s noch unser Herzstück: den Campingplatz.
Und ganz ehrlich – das ist der beste Campingplatz der Welt.
Jeder Stellplatz liegt direkt am Fluss, mit Wasserfall-Dusche, Marula- und Feigenbäumen, Hippo-Chor bei Nacht und Elefanten, die einfach mal so vorbeischauen.
Und die Gäste…
Tja. Das ist nochmal eine ganz eigene Safari für sich.
Willkommen beim täglichen Busch-Bingo – wo man nie weiss, wer oder was als Nächstes auftaucht.
Da wären die „Ich hab alle Dokus gesehen, bin also quasi Ranger“, die mit Fernglas bewaffnet jeden Busch absuchen – und sich dann wundern, warum es hier keinen Zaun gibt.
Die Vogelfreunde mit Kameras, deren Wert meine Lebensversicherung neidisch macht. – sofern ich eine Lebensversicherung hätte.
Reiche Safari-Enthusiasten, die mit ihrem Mega-Set-up fast ein zweites Camp eröffnen könnten.
Und Erstcamperinnen, die ihre Zeltpremiere direkt in Afrika feiern – mutig, naiv oder einfach genial. Wahrscheinlich alles zusammen. Aber vor allem sind es Menschen mit Herz und Geschichten.
Hier jongliere ich zwischen Sprachen, Erwartungen, Weltbildern und Tagesformen.
Zwischen Safari-Fantasien und Busch-Realität.
Ich liebe es. Warum?
Weil kein Tag gleich ist. Gäste einem zum Abendessen einladen, singen und lachen.
Weil ein Kind, das anfangs Angst vor Käfern hatte, am Abreisetag einen Mistkäfer „Horst“ nennt.
Weil der Busch aus Menschen das rausholt, was du im Alltag oft nicht mal mehr bemerkst:
Staunen. Reaktionen. Ungefiltertes Sein.
Aber genau das macht es aus. Kein Tag gleich. Kein Moment vorhersehbar. Du planst, das Universum lacht – und dann kommt ein Sonnenuntergang, der alles wieder gut macht.
Und dann, wenn ich da stehe – mit Staub an den Waden, einem Walkie-Talkie am Hosenbund – und ein Gast mich fragt, ob ein Civet eigentlich eine Katze ist…
…dann denk ich mir:
That’s Bushlife.

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