Kopf im Busch

Buschgeflüster, Beinahe-Katastrophen & unnützes Wissen

Gibt es ein Comeback?

Hey.
Lange ist es her.
Und ihr habt es verdient, mal wieder was von mir zu lesen.

Am Ende meines letzten Arbeitseinsatzes begann die Regenzeit. Ein Ende und ein Anfang zugleich.
Und irgendwie war das sinnbildlich für alles.

Dieser Spruch:
„Wenn eine Tür zugeht, geht eine neue auf.“

Hat mich eigentlich schon immer mehr genervt als aufgebaut.
Weil dieser Satz IMMER dann kommt, wenn die neue Tür noch nicht offen ist.
Und ich bin halt nicht immer dieser „die Sonne scheint mir aus dem Arsch“-Mensch bin.

Aber sehr oft ja schon. Ich weiss.

Manchmal ist die Tür einfach zu.
Und dahinter?
Nichts.
Nur Warten.

Am Ende meiner letzten Saison war für mich klar:
Ein Comeback in Zambia gibt es nur, wenn ich einen bezahlten Arbeitsvertrag bekomme.

Erwachsen werden halt.
Dieses nervige „wir haben ja Verpflichtungen“.
Ich habe mich lange dagegen gewehrt.

Herz über Verstand.
La vida loca.
Einfach machen.

Ich war lange überzeugt:
Beides geht.
Dieses klassische „s’Füfi und s’Weggli“ eben.

Mein alter Chef Q würde jetzt den Kopf schütteln.
Wieder so ein typischer Schweizer Spruch, den absolut niemand ausser uns versteht.
Wie auch die Weisheit, dass etwas besser ist als „ein Mund voller Wespen“.
Fragt nicht.

Schweizerdeutsche Sprichwörter fliessen wie Honig aus meinem Mund –
und sorgen im Englischen meistens für komplette Verwirrung und leere Blicke.

Sie verstehen es halt einfach nicht.
Voilà.

Ich bin abgeschweift.
Vielleicht auch nur, um mein Lieblingswort wieder zu benutzen:

Item.

Ich dachte nämlich, meine grösste Herausforderung wird sein, einen Job in einem neuen Camp oder einer Lodge zu finden.

Ich habe gekämpft.
Mich durch Selbstzweifel geboxt.
Mehr als nur zwei Daumen aus dem Arsch genommen.

Und dann… habe ich mich bei einer Unternehmung beworben, bei der schon der Name Gänsehaut macht.
So eine Crème de la Crème der Safari-Welt.
Guiding-Level: absurd gut.
Erlebnis-Level: lebensverändernd.

Ich habe mich da einfach beworben.
Ohne grosse Hoffnung. Aber Hey, den frechen gehört die Welt.

Klar, ich habe schon viel gemacht.
Ich arbeite hart.
Ich liebe es, beschäftigt zu sein.
Ich schwimme lieber in Arbeit und gehe fast unter, als irgendwo zu sitzen und Ameisen zu zählen.

Aber trotzdem.

Und dann…
hat es geklappt.

Ich habe eine Saisonstelle bekommen.
Bei genau dieser uh là là – Safari-Unternehmung.
Mehrere Camps.
Verschiedene Nationalparks in Zambia.

What the actual fuck.

Zwischen Freudentränen, Stolz und diesem „wie zur Hölle habe ich das geschafft“-Moment kam dann aber ziemlich schnell noch etwas anderes:

Panik.

Kann ich das?
Bin ich gut genug?
Werden die es bereuen, mich eingestellt zu haben? Wissen die, dass ich nicht normal auf einem Stuhl sitzen kann?

Hat sich die Panik gelegt?

Nein. „And now we have the salad“!

Aber sie treibt mich an.
200 % zu geben.
Zu lernen.
Zu wachsen.

Weil ich weiss:
So eine Chance bekommst du nicht zweimal.
Und sie wird mich mein ganzes Leben begleiten.

Also… gibt es ein Comeback?

Wenn wir den Titel wieder in den Mittelpunkt stellen wollen:

Ein klares Ja war es nie.

Aber nicht wegen mir.
Nicht wegen dem Job.

Sondern wegen dem Visum.

Seit Januar bin ich zurück in der Schweiz.
Ich habe temporär wieder im Gefängnis gearbeitet.

Easy Job für mich.
Je chaotischer das Umfeld, desto ruhiger werde ich.
Unmögliches möglich machen – mein Ding.

Zwei Monate habe ich gearbeitet wie eine wilde Biene.
Geld verdient.
Spass gehabt.

Und seit Mitte März?

Sitze ich.
Und drehe Däumchen.

Ich habe mir die Fingernägel abgekaut und kurz überlegt, ob ich bei den Zehen weitermachen soll.
Habe mich dann dagegen entschieden.
Die Fingernägel habe ich wieder wachsen lassen.
Komisch, wie das Leben manchmal funktioniert.

Mein Gehirn halt.

Am 1. April sollte ich meinen neuen Job beginnen. Das ist heute.

Ich habe:
kein Visum.
keine Arbeitsbewilligung.
keinen Flug.

Viele fragen mich:
„Und? Wann geht’s los?“
„Wie geht’s weiter?“

Meine Standardantwort:

Kein Plan.

Manchmal wirken meine Familie und Freunde nervöser als ich.
Und ich verstehe es.

Aber ganz ehrlich:
Was soll ich tun?

Ich warte.

Und ja…
es gibt Momente, da kommt die Panik zurück.

Diese „alles bricht gleich zusammen“-Welle.
Diese Tränen-nahen Sekunden, in denen alles plötzlich unsicher wird.

Und genau dann kommen sie wieder –
die Tür-Sprüche.

„Dann geht halt eine andere Tür auf.“
„Dann gehen wir nach Ljubljana.“

Ljubljana.
Beste Option B, apparently.

Aber eben:
Option B.

Und es gibt einen Grund, warum es Option B heisst.

Man will sie eigentlich nicht.

Ich bin ready.
Ich will gehen.
Ich warte jeden Tag auf dieses eine Ding:

Grünes Licht.

Und die Frage bleibt:

Werde ich es bekommen?

Eben.

Kein Plan.

Und bis dahin?
Warte ich.
Mit einem halben Koffer im Kopf und 100 % Fernweh.

Hinterlasse einen Kommentar